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Agile Power Guide – Warum Agilität wie Fahrradfahren ist

von 16. Juli 2019 Keine Kommentare

Stell dir vor, du möchtest einem Kind Fahrradfahren beibringen. Wie gehst du vor?

a) Erklärung: Du erläuterst das Fahrradfahren als dynamischen Vorgang. Dabei gehst du besonders auf die Variablen Mindestgeschwindigkeit, Balancierfähigkeit und gyroskopischer Effekt ein, erwähnst aber auch Neigungswinkel, Haftreibung, Zentripetalkraft und so weiter. Nach wenigen Jahren sollte das Kind imstande sein, das Fahrradfahren als physikalisches Phänomen nachzuvollziehen.

b) Erfahrung: Du drehst ein paar Runden, damit das Kind sieht, wie es geht. Dann setzt du es selbst aufs Rad. Nach wenigen Stunden sollte das Kind imstande sein, sich selbst gen Horizont zu befördern.

Na?

Genau.

Die Technik des Fahrradfahrens lässt sich sicher erschöpfend erklären – aber erlernen lässt sie sich nur durch Erfahrung: durchs Selber-Machen.

Mit der Agilität ist es ganz ähnlich: Du kannst zwar stunden-, tage- und wochenlang darüber reden, komplizierte Schemen zeichnen und ganze Bibliotheken studieren – aber nichts ersetzt deine eigene Praxis.

Aus diesem Grund haben wir im AGILE POWER GUIDE auf eine erschöpfende Definition der Agilität verzichtet. Stattdessen nähern wir uns ihr über eine Metapher, über – du ahnst es schon – das Fahrradfahren.

Frisch zusammengeschraubt: Das Agile Rad

Ein typisches, einspuriges Fahrrad hat zwei Räder, die sich stabil und gleichmäßig drehen müssen, damit das Fahrrad seine Mindestgeschwindigkeit erreichen, der Fahrer das Gleichgewicht halten und vorankommen kann.

Unser Agiles Rad funktioniert ganz ähnlich. Seine Räder heißen „Effektivität“ und „Effizienz“. Wenn du gewährleistest, dass sie sich gleichmäßig drehen, dann bist du schon agil.

Jedes Rad besteht aus drei Fragen oder Prozessen, die permanent wiederholt werden müssen.

Das Effektivitäts-Rad enthält drei Fragen:

  1. Wer ist mein Kunde?
  2. Welches Bedürfnis hat mein Kunde?
  3. Wie kann ich dieses Bedürfnis bestmöglich erfüllen?

Das Effizienz-Rad enthält drei Prozesse:

  1. Tun
  2. Überprüfen
  3. Anpassen

Beantworte kontinuierlich die drei Effektivitäts-Fragen und bearbeite kontinuierlich die drei Effizienz-Prozesse – dann entsteht ganz von alleine Agilität. Je nach Strecke, Beladung und so weiter wirst du vielleicht manchmal mehr Wert auf das eine Rad legen und manchmal mehr auf das andere. Das ergibt sich unterwegs.

Alles Weitere – Methoden, Prozesse, Rollen und so weiter – ist optional. Wie Schutzbleche und Wattzähler, Gepäckträger und Reflektoren: Ob du diese Dinge brauchst, hängt von der Strecke ab, über die du fahren möchtest.

Aber dafür musst du erstmal auf die Piste.

Wir wünschen gute Fahrt!

Udo Krauß, Christophe Braun

Der AGILE POWER GUIDE ist bei Handelsblatt Fachmedien erschienen. Mehr Infos findest Du hier.

Dieser Artikel basiert auf der Keynote, die Udo Krauß am 25. Juni 2019 auf dem Festival of Change gehalten hat.

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