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Die Rolle(n) Ihres Lebens: Wie Sie sich für Veränderungen motivieren

Mehr als 1,7 Millionen Ergebnisse für den Suchbegriff „VUCA“ können nicht täuschen – es ändert sich was! Ständig! Und Lebewesen haben es ja nicht so mit Veränderung. Das liegt am Gehirn. Sagt zumindest die Hirnforschung. Da verlaufen Nervenstränge wie Autobahnen, die haben wir Menschen uns durch Gewohnheiten und durch jahrelange Erfahrung angelegt. Veränderung geht schon, kostet aber Kraft, hauptsächlich Willenskraft. Veränderung sei Energieverschwendung – meint das Gehirn. Und mein Körper glaubt das. Mein Gesicht zeigt sogar ganz offen, was mein Gehirn denkt. Freude, Kritik, Überraschung … ich bin für andere lesbar wie ein offenes Buch.

Am liebsten würde ich die Hände in den Schoß legen und sagen: So! Fertig! Meine Persönlichkeit ist ausgeprägt – ich bin toll, so wie ich bin. Alles, was ich jetzt an mir verändere, kann nur noch kleine Optimierungen nach sich ziehen. Das lohnt nicht mehr. Und Verbiegen kommt für mich nicht in Frage. Oder in eine Rolle zu schlüpfen, die nicht zu mir passt. Schauspielern – das überlasse ich anderen und das hat im Business nichts verloren. Wo bleibt denn da meine Glaubwürdigkeit? Wenn ich mich anders verhalte, nimmt man mir das eh nicht ab …

Mal angenommen …

Nur für den Fall, dass man sich vielleicht 🙂 für eine eventuelle 🙂 Veränderung entscheiden würde 🙂, also rein hypothetisch 🙂, wie gehe ich vor, damit ich authentisch bleibe? Was kann ich beachten, damit meine Glaubwürdigkeit erhalten bleibt?

Wir müssen nur wollen

Die gute Botschaft vorneweg: Jeder kann sein Verhalten anpassen – jederzeit! Ein unpünktlicher Kollege kann rechtzeitig erscheinen, eine humorvolle Chefin kann eine ernste Miene aufsetzen, ein aufbrausender Freund kann seine Stimme senken oder schweigen. Unser soziales Verhalten wird nicht vom KÖNNEN, sondern vom WOLLEN beeinflusst.

Soziale Interaktion zwischen Menschen findet sowohl verbal, d.h. über die Stimme und das gesprochene Wort, als auch non-verbal, d.h. über Gestik, Mimik und Körpersprache statt. Albert Merhabian hat bereits in den 1960er Jahre herausgefunden, dass die Frage, wie wir etwas sagen, beim ersten Eindruck deutlich mehr zählt als der Inhalt dessen, was wir sagen. Paul Watzlawick bestätigt das, indem er formulierte: „Ich kann nicht nicht kommunizieren.“ Selbst wenn mein Mund verschlossen bleibt, geben sowohl Gesicht als auch Körperhaltung ungefragt über mich Auskunft.

Macht es Sinn, sich bestimmte Verhaltensweisen anzuerziehen?

In Maßen kann das gelingen. Als Coach habe ich mir antrainiert, nach einer Frage nicht nur zu schweigen, sondern mich zurückzulehnen. Diese bewusste Veränderung meiner Körperhaltung signalisiert meinem Gegenüber zusammen mit der Gesprächspause, daß er Zeit zum Nachdenken bekommt und ich geduldig auf seine Antwort warten werde.

Vom reinen Kopieren einer Verhaltensweise wird Ihnen ein guter Coach – und davon gibt es viele – abraten. Sich nur aufs körperliche Antrainieren von Verhaltensweisen zu konzentrieren erfordert … ja genau: Training, Training, Training. Jeder, der eine neue Sportart erlernt, kann bestätigen, wie viele Wiederholungen verbunden mit Schweiß, Frust und Tränen auf dem Weg zu ersten Erfolgserlebnissen liegen und wieviel Zeit ich bis zum Profistatus benötige. So eine neue Datenautobahn im Gehirn braucht Zeit zum Wachsen.

Haltung heißt auch Körperhaltung

Unser Verhalten wird von der inneren Haltung beeinflusst, die durch Erziehung, Moralvorstellungen, Werte, Erfahrungen und Glaubenssätze geprägt, aber leider auch blockiert wird. Ich kann damit rechnen, daß ich mir selbst glaube, was ich denke. Ein Verkäufer, der denkt, daß seine Kundin das angebotene Produkt sowieso nicht kaufen wird, riskiert, als unmotiviert wahrgenommen zu werden. Die Mitarbeiterin, die überzeugt von ihren guten Leistungen ist, erhöht ihre Chancen, im Beförderungsgespräch überzeugend aufzutreten.

Die innere Einstellung zu hinterfragen, sich die Beweggründe für sein Verhalten ins Bewusstsein zu rufen und Glaubenssätze oder Werte zu kennen, erfordert die Bereitschaft zur Selbstreflexion. Die zentralen Fragen dreht sich ums WHY:

  • Warum verhalte ich mich so?
  • Aus welchen Gründen möchte ich mein Verhalten beibehalten?
  • Welchen Nutzen habe ich, wenn ich mich ändere?
  • Worauf verzichte ich, wenn ich daran festhalte?
  • Wieviel Energie oder Geld wird mich mein Widerstand kosten?
  • Mit welchen Nachteilen muß ich rechnen, wenn ich eine Veränderung ablehne?

Die Rolle(n) Ihres Lebens

Ein erfolgsversprechender Weg, eigenes Verhalten zu ändern und dabei authentisch zu bleiben, gelingt über die Rolle. Jede Entscheidung über Ihr Verhalten treffen Sie selbst – unbewusst oder bewusst. Je nachdem, welche Ihrer Rollen Sie einnehmen, wählen Sie Ihr Verhalten.

Beispiel:

Sie stehen allein an einer roten Fußgängerampel und sind in Eile, d.h. Ihr Kunde wartet schon, das Meeting hat begonnen, die Bahn fährt in wenigen Minuten ab… Kein Auto weit und breit zu sehen. Die Versuchung ist groß, bei Rot die Straße zu überqueren, und vielleicht haben Sie das schon einmal getan (Vorsicht: nach §25 StVO Abs. 3 begehen Sie eine Straftat und diese wird mit Bußgeld geahndet).

Gleiche Situation: Die Ampel ist rot, Ihre Motive sind dieselben, Sie sind in Eile. Neben Ihnen wartet ein Lehrer mit einer Gruppe Kleinkindern. Auch in der Rolle als Vorbild könnten Sie die Straße bei Rot überqueren – die meisten Befragten (Eltern oder nicht) bleiben allerdings stehen, obwohl sie es genauso eilig hatten. Gleiche Situation, gleiches Wissen, gleiche Motive, nur die Rolle hat sich zum Vorbild geändert und auf das beobachtbare Verhalten ausgewirkt.

Ihre Rollen wechseln ständig: Bei Ihrem Chef treten Sie im Mitarbeitergespräch anders auf als wenn Sie privat bei ihm eingeladen sind, im Betriebssport gehen Sie mit Kollegen anders um als im Projektmeeting, als Mutter machen Sie im Kinderzimmer andere Ansagen zur Ordnungshaltung auf Schreibtischen als wenn Sie die Unordnung auf dem Schreibtisch Ihrer Kollegen stört.

Fazit

Das Gehirn legt bei Veränderungen Steine in den Weg, aus denen sich Brücken bauen lassen. Wer Klarheit über seine Rolle hat, kann seine Einstellung und sein Mindset beeinflussen. Die innere Haltung paßt sich der Rolle an. Gedanken wirken sich auf die mentale Haltung sowie auf die Körperhaltung aus. Eine Ausbildung zum Schauspieler mag hilfreich sein, ist allerdings keine Bedingung für Authentizität. Die Übereinstimmung von geistiger Haltung und Körpersprache wird als kongruentes Auftreten wahrgenommen. Eine überzeugende Körperhaltung funktioniert non-verbal sehr gut im Zusammenspiel mit der mentalen Haltung.

Ich kann mich verändern und trotzdem authentisch bleiben. Wenn ich darüber nachdenke, hat das schon sehr oft funktioniert. Ich werde eben meinem Gehirn auf die Sprünge helfen. Wer Veränderung akzeptiert, findet Wege, wer sie ablehnen will, wird Blockaden finden.

Wenn Sie Ihre eigenen Wege in der VUCA-Welt gehen wollen, sprechen Sie mich an, ich begleite Sie gern, denn: Your mind is a dangerous neighbourhood – Don’t go there by yourself.

Ihre

Ulrike Möhler

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