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Be Adaptive – Stress als Türschwelle in eine neue Kompetenz

von 3. Juli 2017 Ein Kommentar

Mich interessiert eine andere Blickrichtung auf das Thema Stress. Stress zu verstehen als einen Hinweis, dass wir in einer gewissen Weise gefordert sind, uns weiter zu entwickeln und auch differenzierter hinzuschauen.

Nicht nur zu sagen „Ich habe Stress“: denn einerseits gibt es einen Stress, der aus der Vergangenheit rührt. Dieser beruht auf alten Mustern, die wir nicht mehr brauchen, uns aber stressen können. Wie zum Beispiel „Ich sitz hier im warmen Café und hab das Gefühl, wenn die Sonne jetzt kommen würde, könnte Draußensitzen aber noch besser sein“. Dem zu Grunde liegt dieses Optimierungs-Maximizer-Muster, was oft als Stärke nutzbar ist, was aber auch ein Stresspotenzial in sich birgt, nämlich ein Nicht-Akzeptieren des Status Quo oder häufig das Gefühl zu haben, dass etwas nicht gut genug ist.

Wenn ich jetzt in bestimmten Situationen merke, ich habe Stress, weil mir etwas nicht gut genug ist, dann kann das auch eine Einladung sein, mich mit diesen alten Mustern mal genauer zu beschäftigen und den darunterliegenden Glaubenssatz anzugucken, um damit freier umzugehen. Das ist dann eine Perspektive, die Stress aufzeigen kann: ein Thema aus der Vergangenheit, was uns auffordert, jetzt noch einmal daran zu arbeiten, damit ins Reine zu kommen, das Handlungsrepertoire zu erweitern und uns nicht unnötig zu stressen.

Die andere Perspektive wäre, Stress zu verstehen als eine Türschwelle in eine neue Kompetenz. Wir  geraten dann in Stress, wenn das Leben eigentlich von uns erwartet, neue Kompetenzen zu können und wir mit dem bisherigen Handwerkszeug an unsere Grenzen stoßen und wir in bestimmten Qualitäten zulegen müssen. Dann sind wir aufgefordert zu lernen, uns zu entwickeln, uns der Evolution anzupassen. Das ist dann der Stress aus der Zukunft oder die Aufforderung, mich in zukünftigen Qualitäten zu entwickeln.

 

Und ich glaube, das ist alleine schon mal eine ganz hilfreiche Unterscheidung, bei Stress nicht nur zu sagen „Ich hab Stress“ sondern „Aha, da gibt’s einen Hinweis“, dass Stress einfach ein Signal ist, dass eine Entwicklungsaufgabe ansteht, entweder Vergangenheitsbewältigung oder Zukunftsbefähigung zu betreiben und dann genau hinzugucken, was brauche ich denn. Statt zu sagen „ich habe zu viel Stress“ – „ich hab zu wenig Flexibilität, zu wenig Fähigkeit im Umgang mit …“. Und ich glaube, dann kann Stress ein sehr hilfreiches Phänomen werden, was wir willkommen heißen können, weil es uns aufzeigt, dass es einen Entwicklungsbedarf gibt.

Und noch einen Ausblicks-Gedanken dazu, wenn wir auf unser Thema Stärkenorientierung gucken: dann sind das verinnerlichte Gedanken-, Gefühls- und Verhaltensmuster, die produktiv eingesetzt werden können, die aber in der Regel aus der Vergangenheit heraus kommen und folglich nicht immer zukunftsfähig sein müssen oder eben in manchen gegenwärtigen oder auch zukünftigen Situationen, Stress entwickeln können wie das Maximizer-Beispiel.

Ich glaube, es braucht in dieser stärkenorientierten Entwicklungsnische im 21. Jahrhundert noch mehr zukunftsorientierte Stärkenentwicklung. Also noch mehr Lauschen, nach dem, was es jetzt braucht, um ganz neue Lösungswege zu entwicklen oder ein Update der eigenen Stärken zu erreichen.

Ein Beispiel: Ich bin getrieben von Verantwortungsbewusstsein, will die Dinge richtig gut machen, will dass das alles läuft und lerne jetzt im Zuge des selbstorganisierenden Systems, dass ich loslassen muss und den Mitarbeitern Vertrauen und Verantwortung übertragen muss.

Dann wird jetzt mein altes Muster getriggert und ich bin gefordert ein Update dieser Stärke zu finden, was zukunftsfähig ist. Das Update von alten Stärkenmustern ist ein Thema, was ich in meinem nächsten Blogeintrag vertiefen werde.

David Liebnau ist Senior Manager & Stärken-Experte der SYNK GROUP und Lehrcoach an der SYNK Business School, wo er unter anderem die Ausbildung zum StärkenCoach verantwortet. Er ist erreichbar unter david.liebnau@synk-group.com.

 

David Liebnau

Autor David Liebnau

„Lebe in dem Vertrauen, dass die ganze Welt auf deiner Seite ist, solange du zu dem Besten in dir stehst.“

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Der Diskussion beitreten Ein Kommentar

  • Danny Borke sagt:

    Ich kann grundsätzlich der Idee zustimmen, die Stärken die man hat zu nutzen und sich nicht durch seine Schwächen und den Versuch diese zu beseitigen zu blockieren. Aber es kann auch nicht jeder ein „Leader“ sein, das funktioniert gesellschaftlich nicht. Und damit bleiben die „Follower“ auf der Strecke.
    Ich sehe im Optimierungswahn des 21. Jahrhundert die Grundursache für die flächendeckende Unzufriedenheit der Menschen mit Ihrem Leben und den politischen Kräften in ihren Ländern auch wenn es Ihnen persönlich ökonomisch gut geht.
    Es scheint als gäbe es ein Gesetz an das wir uns alle sklavisch halten müssten, das Gesetz der Leistung und stetigen Leistungsoptimierung. Und wer hier ausbricht wird als „Aussätziger“ behandelt. Es gibt keinen erkennbaren gesellschaftlichen Konsens darüber, dass Menschen auch das Recht hätten, ein Leben ohne Leistungszwang zu verbringen. Wir befinden uns damit in einer gefährlichen Entwicklung die von Schnelllebigkeit und dem damit verbunden enormen gesellschaftlichen Anpassungsdruck. Alles wird aus Geld- und Zeiteffizienzparametern beurteilt, die uns von außen aufgezwungen werden. Und die eigenen Spielräume diesen Zwängen zu entgehen ohne Nachteile zu erleiden werden immer kleiner.
    Hier hilft der kein Ansatz der persönlichen Stärken, dafür brauchen wir Ansätze, wie Gesellschaften besser funktionieren und welche Strukturen solche Gesellschaften haben müssen.

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