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Be Adaptive – Stress als Türschwelle in eine neue Kompetenz

Mich interessiert eine andere Blickrichtung auf das Thema Stress. Stress zu verstehen als einen Hinweis, dass wir in einer gewissen Weise gefordert sind, uns weiter zu entwickeln und auch differenzierter hinzuschauen.

Nicht nur zu sagen „Ich habe Stress“: denn einerseits gibt es einen Stress, der aus der Vergangenheit rührt. Dieser beruht auf alten Mustern, die wir nicht mehr brauchen, uns aber stressen können. Wie zum Beispiel „Ich sitz hier im warmen Café und hab das Gefühl, wenn die Sonne jetzt kommen würde, könnte Draußensitzen aber noch besser sein“. Dem zu Grunde liegt dieses Optimierungs-Maximizer-Muster, was oft als Stärke nutzbar ist, was aber auch ein Stresspotenzial in sich birgt, nämlich ein Nicht-Akzeptieren des Status Quo oder häufig das Gefühl zu haben, dass etwas nicht gut genug ist.

Wenn ich jetzt in bestimmten Situationen merke, ich habe Stress, weil mir etwas nicht gut genug ist, dann kann das auch eine Einladung sein, mich mit diesen alten Mustern mal genauer zu beschäftigen und den darunterliegenden Glaubenssatz anzugucken, um damit freier umzugehen. Das ist dann eine Perspektive, die Stress aufzeigen kann: ein Thema aus der Vergangenheit, was uns auffordert, jetzt noch einmal daran zu arbeiten, damit ins Reine zu kommen, das Handlungsrepertoire zu erweitern und uns nicht unnötig zu stressen.

Die andere Perspektive wäre, Stress zu verstehen als eine Türschwelle in eine neue Kompetenz. Wir  geraten dann in Stress, wenn das Leben eigentlich von uns erwartet, neue Kompetenzen zu können und wir mit dem bisherigen Handwerkszeug an unsere Grenzen stoßen und wir in bestimmten Qualitäten zulegen müssen. Dann sind wir aufgefordert zu lernen, uns zu entwickeln, uns der Evolution anzupassen. Das ist dann der Stress aus der Zukunft oder die Aufforderung, mich in zukünftigen Qualitäten zu entwickeln.

 

Und ich glaube, das ist alleine schon mal eine ganz hilfreiche Unterscheidung, bei Stress nicht nur zu sagen „Ich hab Stress“ sondern „Aha, da gibt’s einen Hinweis“, dass Stress einfach ein Signal ist, dass eine Entwicklungsaufgabe ansteht, entweder Vergangenheitsbewältigung oder Zukunftsbefähigung zu betreiben und dann genau hinzugucken, was brauche ich denn. Statt zu sagen „ich habe zu viel Stress“ – „ich hab zu wenig Flexibilität, zu wenig Fähigkeit im Umgang mit …“. Und ich glaube, dann kann Stress ein sehr hilfreiches Phänomen werden, was wir willkommen heißen können, weil es uns aufzeigt, dass es einen Entwicklungsbedarf gibt.

Und noch einen Ausblicks-Gedanken dazu, wenn wir auf unser Thema Stärkenorientierung gucken: dann sind das verinnerlichte Gedanken-, Gefühls- und Verhaltensmuster, die produktiv eingesetzt werden können, die aber in der Regel aus der Vergangenheit heraus kommen und folglich nicht immer zukunftsfähig sein müssen oder eben in manchen gegenwärtigen oder auch zukünftigen Situationen, Stress entwickeln können wie das Maximizer-Beispiel.

Ich glaube, es braucht in dieser stärkenorientierten Entwicklungsnische im 21. Jahrhundert noch mehr zukunftsorientierte Stärkenentwicklung. Also noch mehr Lauschen, nach dem, was es jetzt braucht, um ganz neue Lösungswege zu entwicklen oder ein Update der eigenen Stärken zu erreichen.

Ein Beispiel: Ich bin getrieben von Verantwortungsbewusstsein, will die Dinge richtig gut machen, will dass das alles läuft und lerne jetzt im Zuge des selbstorganisierenden Systems, dass ich loslassen muss und den Mitarbeitern Vertrauen und Verantwortung übertragen muss.

Dann wird jetzt mein altes Muster getriggert und ich bin gefordert ein Update dieser Stärke zu finden, was zukunftsfähig ist. Das Update von alten Stärkenmustern ist ein Thema, was ich in meinem nächsten Blogeintrag vertiefen werde.

David Liebnau ist Senior Manager & Stärken-Experte der SYNK GROUP und Lehrcoach an der SYNK Business School, wo er unter anderem die Ausbildung zum StärkenCoach verantwortet. Er ist erreichbar unter david.liebnau@synk-group.com.

 


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Führung und Entspannung – ein Widerspruch? Wie Führungskräfte in der heutigen Welt wirksam bleiben können

DLVor kurzem haben wir ein neues Leadership-Development-Programm für jüngst berufene mittlere Führungskräfte in einem Unternehmen gestartet. Das Konzept enthält Sequenzen zur Entwicklung einer eigenen Leadership-Vision. Um die Teilnehmer hierfür zu inspirieren, nutzen wir unter anderem auch Entspannungsmusik. Der Einsatz von Musik wurde von einem der Teilnehmer als „zu esoterisch“ beurteilt.

Dass sich eine solche Einstellung heutzutage noch immer in den Köpfen einiger, deutscher Führungskräfte hält, erstaunt mich. Und es lässt mich auch an der Zukunftsfähigkeit eben dieser Führungskräfte zweifeln.
Wie viele Führungskräfte müssen auf prominenter Bühne noch vor Überlastung umkippen, bevor wir auch in der Wirtschaft endlich lernen, dass Entspannung für langfristige Wirksamkeit von großer Bedeutung ist? Was hindert uns daran zu verstehen, dass wir nur mit Achtsamkeit für Körper und Geist wirklich erfolgreich sein können?

Entspannung ist nicht nur für unsere Gesundheit und damit die langfristige Leistungsfähigkeit unerlässlich. Die neueste Forschung für zukunftsfähiges Leadership zeigt auf vielfältige Weise, dass Entspannungs- und damit verbundene Reflexionsfähigkeit eine der Schlüsselkompetenzen für wirksame und innovative Führung im 21. Jahrhundert ist.

Dies wird auch deutlich in Anbetracht der 4 globalen Mega-Trends, die sich auf den Begriff einer VUCA-Welt verdichten lassen:

Volatility: Führung agiert in volatilen Märkten und unter sich verändernden Rahmenbedingungen.

Uncertainty: Umgang in der Führung mit Ungewissheit gehört mittlerweile zum Führungsalltag.

Complexity: Es gibt nicht mehr die eine scheinbar richtige Entscheidung, Komplexität ist allgegenwärtig.

Ambiguity: Zielkonflikte und Mehrdeutigkeit gehören zum Alltag.Schmetterling

Wer sich in der VUCA-Welt keine Zeit zur Entspannung gönnt, ist dazu verdammt, mit immer mehr Desselben, also mit den alten Strategien und Mustern, andere, neue Ergebnisse zu erwarten. Dies führt schnell zum Überhitzen und schließlich Ausbrennen.

Innovation und auch Evolution erfordert Offenheit für Neues und damit ein „Ein-Lassen“ und „Los-Lassen“. Dies geht nicht in permanenter Anspannung und Bewegung. Diese Erkenntnis hat nichts mit Esoterik zu tun. Sie ist ein Naturgesetz.

Ich stelle dabei gerne eine Frage: Was würde passieren, wenn die Raupe keine Ruhe mehr in seiner Puppe finden würde? Es gäbe keine Schmetterlinge mehr.

Wenn Sie sich zu diesen Themen mit mir austauschen wollen, erreichen Sie mich unter david.liebnau@synk-group.com.